Für Jugendliche ist die Kommunikation über das Netz selbstverständlich. Experten warnen vor den Gefahren, die dort auf sie lauern. Ingeborg Bröhl ist mit dem permanenten Gefühl von Gefahr aufgewachsen. Krieg, Beschuss und Fliegeralarm waren für sie Alltag.

Ich möchte es nicht nochmal erleben

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Ingeborg Bröhl (1923)

Caritas Haus St. Elisabeth, Kitzingen

Geboren im unterfränkischen Bad Königshofen im Grabfeld, schloss Ingeborg Bröhl 1942 ihr Abitur auf einer höheren Mädchenschule ab. Da Würzburg zu dieser Zeit in Augen ihres Vaters zu gefährlich war, um dort zu studieren oder eine Ausbildung zu machen, ging sie nach Straubing, um als Nachrichtenhelferin Karriere zu machen. So verschlug es sie nach einiger Zeit zum Flugzeugerkennungsdienst, wo sie zur Funkerin ausgebildet wurde. "Es war eine aufregende Zeit, und ich habe viel gelernt. Meine Nerven waren aber permanent angespannt!"

 

Am 23. Februar 1945 hatte Ingeborg Bröhl gerade Schichtdienst, als Kitzingen angegriffen wurde, und zeichnete alles auf.

Nach dem Krieg arbeitete sie bei Bauern, als Steineklopferin, in der Stadtverwaltung, bei einem Rechtsanwalt sowie in einer Lack- und Farbenfabrik, bis sie heiratete und sich der Erziehung ihres Sohnes widmete.

 

In ihrem Leben wurde zweimal auf Ingeborg Bröhl geschossen. Beim ersten Mal rettete sie sich nachts auf dem Heimweg mit einem Sprung in Sträucher. Beim zweiten Mal war sie gerade bei einer Freundin zu Gast, als durch ein Fenster geschossen wurde. Getroffen wurde glücklicherweise nur ein Strohsack. Nach dem Krieg kostete sie das Leben deshalb voll aus, war wissbegierig und besuchte jede Vorlesung, Tanz- und Kinoveranstaltung vor Ort. "Die Jugendlichen von heute kennen echte Lebensangst nicht. Das ist ein großes Glück. Ich möchte das nie wieder erleben!"

vorsprungdurchfalten.de ist ein Gemeinschaftsprojekt vom Caritasverband für die Diözese Würzburg und atelier zudem.